Kriege, Katastrophen und Ihre Folgen
"Da Krieg in den Köpfen der Menschen entsteht, muss auch der Frieden in den Köpfen der Menschen beginnen".
Mit diesen Worten beginnt die mehr als fünfzig Jahre alte Verfassung der UNESCO. Traurigerweise haben sie bis heute nichts an Bedeutung verloren. Nach wie vor herrschen Kriege und Konflikte, brechen aus von einem Moment zum anderen, verschonen keine Weltregion, und hinterlassen Tod, Verletzung, Ruin, Verzweiflung und Trauer. Unter den Opfern des Krieges stehen Kinder mit an erster Stelle. Zwei Millionen Kinder sind in den Kriegen der letzten zehn Jahre umgekommen, und in bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen stellen Kinder die Hälfte aller Opfer dar. Eine Million Kinder wurden in diesem Zeitraum zu Kriegswaisen, und weitere sechs Millionen haben die Kämpfe mit schweren Verletzungen überlebt. Wenn Schlachten beendet sind und Waffen endlich schweigen, hinterbleiben in den Trümmern Tausende von Kindern und Jugendlichen, die unvorstellbare seelische Schäden davontragen. Viele von ihnen sehen ihre Familien niemals wieder, oder wachsen als Flüchtlinge auf, ohne Namen und Heimat. Ihr Bedürfnis, aufzuwachsen, trifft auf ärmliche, unregelmässige Mahlzeiten, unzureichende Gesundheitsfürsorge, und minimale Bildungsmöglichkeiten - und auch das nur in den besten Fällen.
Kriege hinterlassen sichtbare und unsichtbare Narben an Körper und Seele. Zumeist sind es die Kinder, welche die schlimmsten seelischen Schäden erleiden, ob sie selbst in die Kämpfe verwickelt waren, oder Zeugen von Gewalt und Vergewaltigung wurden.
Krieg erfordert schnelle Hilfe. Und die kritische Übergangszeit vom offenen Konflikt zu einem unsicheren Frieden braucht ganz besonders ideenreiche Ansätze seitens derer, die Kindern Hilfe leisten wollen. Wenn alles in Schutt und Asche liegt, sind einfallsreiche Lösungen von Nöten. UNESCO Programme, welche die schrecklichen Auswirkungen von Krieg auf Kinder zu lindern suchen, haben deshalb an vielen Fronten gleichzeitig angesetzt: Unterricht für Kinder in Flüchtlingslagern; Programme für Kinder, die im Krieg psychische Schocks oder Verletzungen davongetragen haben; Reparation und Wiederaufbau von Schulen; Ausbildung von Lehrern und die Beschaffung von Unterrichtsmaterialien; Aufklärungsprogramme über die Gefahren von Landminen
Die Zielgebiete waren Afrika - Somalien, Burundi, das grosse Seegebiet in Zentralafrika, Sierra Leone, und Angola -, aber auch der Libanon, die palästinensischen Autonomiegebiete, und das ehemalige Jugoslawien.
Der Versuch, mithilfe von Bildung den Kindern einen Eindruck von Normalität wiederzugeben, stellt auch an die Lehrer schwierige Anforderungen.
Ganz wie Krieg und gewaltsame Auseinandersetzungen, die von Menschen selbst verursacht sind, werden auch natürliche Katastrophen aller Art immer zahlreicher. Jedes Jahr, und immer häufiger, fordern Erdbeben, tropische Stürme, Stein- und Schlammlawinen, sowie riesige Überschwemmungen ihre Opfer unter den Kindern und machen ihre Zukunft zunichte. Zweifellos ist UNESCO für unmittelbare Überlebenshilfe weniger gut ausgerüstet. Jedoch muss jemand dasein, der sich um das Leben nach den Katastrophen kümmert, um die schwierige Zeit des Wiederaufbaus, wo es auf Bildung ankommt und wo die Schulen wieder aufmachen müssen. Die UNESCO hat deshalb in vielen Fällen öffentliche Kampagnen und Spendenaufrufe gestartet, um sich auf die verheerenden Folgen von Katastrophen auf das Bildungswesen zu konzentrieren.