Ein Recht auf Leben und Lernen
Jedes Kind sollte die gleiche Rechte haben! Dies ist aber leider nicht der Fall und trifft ins besondere behinderte Kinder. Und es stellt sich dann folgende Frage : Warum ist es oft so schwierig, sich für die Rechte behinderter Kinder auf Bildung einzusetzen? Nicht etwa, weil ihre Behinderungen und Probleme so schwerwiegend wären, sondern weil die Blindheit und Vorurteile der Gesellschaft, der Familien, und der Schule immer noch sehr hoch ist.
Behinderte Kinder, die in armen und ungebildeten Familien aufwachsen, haben in der Praxis nur sehr geringe Chancen, eine Erziehung zu erhalten, welche auf ihre speziellen Bedürfnisse zugeschnitten ist. Leichtere Behinderungen werden einfach nicht wahrgenommen. Es ist dann durchaus möglich, dass sie diese Kinder genauso wie den Rest der Klasse unterrichten, und wenn sie schlechte Noten haben, wird man dies auf Lernschwäche oder mangelndes Interesse schieben. Und weil Schulen behinderte Kinder schon seit Urzeiten so behandelt haben, gibt es heute Millionen behinderter Erwachsener, die ohne eine Spur von Grundbildung auskommen müssen. Die Idee, dass Schulen und Lehrer sich auf die besonderen Lernbedürfnisse jedes einzelnen Kindes einstellen sollten, statt umgekehrt, findet sich in Wirklichkeit sehr viel mehr in den Leitlinien von Bildungsministerien und den Erklärungen internationaler Konferenzen als in der Unterrichtspraxis von Entwicklungsländern.
Das soll nicht heissen, dass es bei der Erziehung behinderter Kinder keine Fortschritte gibt, oder dass positive Erfahrungen fehlen. Das Prinzip von "inclusive education", welches die von UNESCO einberufene Salamanca Konferenz im Jahre 1996 aufstellte, war dabei ein wichtiger Schritt vorwärts: Das Grundprinzip der "einbeziehenden" Schule (inclusive school) ist, dass alle Schüler wann immer möglich zusammen lernen sollten, ungeachtet ihrer Schwierigkeiten und Unterschiede. "Einbeziehende" Erziehung ist die wirkungsvollste Methode, um Solidarität zwischen behinderten Kindern und ihren Altersgenossen herbeizuführen. Die Einweisung von Kindern in Sonderschulen, oder in permanente Sonderklassen innerhalb von Schulen, sollte eine Ausnahme bleiben; sie ist nur in den wenigen Fällen zu empfehlen, wo klar nachweisbar ist, dass Unterricht in normalen Klassen den erzieherischen oder sozialen Bedürfnissen behinderter Kinder nicht gerecht wird, oder wenn es das Wohlergehen des betroffenen Kindes wie auch der anderen Kinder nötig macht.
Die Spenden, die dem UNESCO Programm Bildung für Kinder in Not zuflossen, sind dort eingesetzt worden, wo die Probleme behinderter Kinder wirklich dramatisch sind.
Bildung für behinderte Kinder erfordert nicht nur erstklassig ausgebildete Lehrer und Pflegepersonal, sondern auch eine spezifische Ausrüstung, die man in armen Ländern nur selten vorfindet. In Zeiten wirtschaftlicher Rezession sind die Mittel, die sicherstellen, dass behinderte Kinder in annehmbaren Umständen leben und lernen, dünn gesäht - besonders in staatlichen Institutionen.