Kinderarbeit, Sklavenarbeit

Das Problem der Kinderarbeit ist heute wohl das grösste Hindernis bei dem Versuch, jedem Kind mithilfe von Bildung eine Zukunft zu schaffen. Weltweite Statistiken zeigen, dass jedes fünfte Kind im Alter von 5 - 14 Jahren gegenwärtig die eine oder andere Art von wirtschaftlicher Tätigkeit ausübt. Das macht insgesamt 210 Millionen arbeitender Kinder, und wenn man Jugendliche bis zum Alter von 17 Jahren mit einschliesst, kommt man sogar auf 350 Millionen.

Wieviele dieser arbeitenden Kinder haben nach stundenlanger Plackerei noch die Motivation und Körperstärke, zur Schule zu gehen?

Sicherlich nicht die 170 Millionen unter ihnen, die sich in Arbeitplätzen abschuften, welche das Internationale Arbeitsamt als "gefährlich" einstuft - Umgang mit Chemikalien, wie zum Beispiel die Wiederverwertung alter Batterien, Umgang mit schweren Lasten, wie die Herstellung von Ziegeln oder die Arbeit in Steinbrüchen, und Arbeit mit gefährlichen Werkzeugen und Maschinen. Diese Art von Arbeit ist nicht, wie man hoffen könnte, eine seltene und bedauerliche Ausnahme, sondern das traurige Los von mehr als der Hälfte aller arbeitenden Kinder, einschliesslich der Mädchen.

Kinderarbeit ist sozial selektiv: sie ist an Armut gebunden, an Grossfamilien, und mangelnden Schulbesuch. So sieht die unbarmherzige Logik von Mangel und Unterentwicklung aus, deren Auswirkungen sich bei Kindern aus armen Familien in den rückständigsten Gebieten der am wenigsten entwickelten Länder unausweichlich vervielfachen.

In die Regionen von angestammtem, tief verwurzeltem menschlichen Elend heuern die Sklavenhändler unserer Zeit die Opfer dessen an, was das Internationale Arbeitsamt in nüchterner Weise als die "schlimmsten Formen" der Kinderarbeit bezeichnet: Kinder, die zum Kämpfen und Töten gezwungen werden, Kinder, die in Verbrechen und Drogenhandel verwickelt sind, KinderProstituierte und Opfer von KinderPornographie, häusliche Kindersklaven und solche, die als Opfer betrachtet. Und es ist gleichermassen zu einfach, wenn man - wie wohlmeinende Leute dies so tun - darauf hinweist, dass es ja Schulen und Schulpflicht gibt, und dass darum alle arbeitenden Kinder einfach in die Schule geschickt werden sollten.

Was das UNESCO Programm Bildung für Kinder in Not erreichen will, ist dass Schulen arbeitenden Kindern gegenüber mehr Herz zeigen: dass sie aktiv daran mitarbeiten, Kinderarbeit zu verhindern, und sich gleichzeitig bei der Wiedereingliederung arbeitender Kinder engagieren.

Die Rehabilitierung von Kindern, die mit gesundheitsschädlichen, gefährlichen und manchmal auch ungesetzlichen Arten von Kinderarbeit zu tun hatten, ist ein Problem für sich. In den meisten Fällen sind diese Kinder des Lesens und Schreibens unkundig und haben keinerlei Qualifikationen, auf denen man aufbauen könnte. Dass sie Rechte haben, einschliesslich des Rechts, sich der Ausbeutung zu widersetzen und die Schule zu besuchen, ist diesen Kindern völlig unbekannt. Ihre Beziehung zu Schule und Bildung ist durch Frustration und gegenseitiges Misstrauen geprägt. UNESCO und andere haben in diesen Fällen mit wechselndem Erfolg auf ausserschulische Methoden gesetzt, die auf berufliche bzw. berufsvorbereitende Ausbildung abstellen. Die Arbeitserfahrung dieser Kinder, wie mechanisch und abwertend sie immer sein mag, sollte dabei nicht einfach verworfen werden. Sie kann als Ausgangspunkt dienen, auf dem man aufbauen und weitere Qualifikationen gewinnen kann.