Armut und Hunger
Viele internationale Unternehmen verlagern ihre Produktion an die Orte, an denen kostengünstig angebaut und geerntet werden kann. So genannte Cash Crops (landwirtschaftliche Produkte, die für den Verkauf und Export bestimmt sind) wie Baumwolle, Kaffee oder Tabak werden auf großen Monokulturen angebaut und von Regierungsführern unterstützt, die darin hohe Erwirtschaftung von Devisen sehen. Ackerland wird durch die Verwendung von Düngemittel und Pestiziden völlig ausgelaugt und Unmengen von Wasservorräten dafür aufgebraucht. Kleinbauern sind dabei die Leidtragenden, die oftmals gezwungen sind, ihr Land abzugeben und bei der Agrarwirtschaft außer Acht gelassen werden. Ein Handel mit Exportgütern ist für Einheimische kaum realisierbar, da gesetzliche Maßnahmen den Export erschweren.
Politische Unruhen und Konflikte bestimmen weltweit das Leben verschiedener Bevölkerungsgruppen. Die Regierungsführung betreibt Vetternwirtschaft und ist durch Korruption und fehlendes Interesse an der Gesamtbevölkerung gekennzeichnet. Durch die Führungsweise entstehen Defizite in diversen Bereichen und führen ein Land in eine Unterentwicklung. Entwicklungsrelevante Bereiche wie Bildungs- und Ausbildungssysteme, Gesundheitseinrichtungen und die Infrastrukturen finden bei politischen Eliten wenig Beachtung. Für viele Kinder, die auf dem Land leben, sind die Wege zur Schule zu Fuß kaum zu bewerkstelligen. Transportmöglichkeiten gibt es keine oder sind mit hohen Kosten verbunden. Ohne Bildung bleiben den Menschen, vor allem den Kindern, viele Türen verschlossen und damit die Aussicht auf ein besseres Leben eine Utopie.
Energie- und Wasserversorgungssysteme gibt es in vielen armen Ländern nicht. Es herrscht Wassermangel aufgrund ausbleibender Regenfälle oder den fehlenden Möglichkeiten Grundwasser zu schöpfen. Wasserpumpen sind nicht vorhanden. Regierungen wenden keine staatlichen Gelder für die Wasserversorgung auf. Zudem fehlt das nötige Know How, die Pumpen zu warten.
Korruption ist leider immer noch ein aktuelles und entwicklungshemmendes Thema in vielen Ländern der Welt. Gelder werden auf korrupte Weise zur Selbstbereicherung unterschlagen. Laut Schätzungen der Weltbank entstehen weltweit jährlich Schäden in Höhe von einer Milliarde US Dollar. In dem Korruptionswahrnehmungsindex CPI liegen Somalia, Myanmar, Irak und Haiti auf den untersten Plätzen.
Konsequenzen der Armut und des Hungers
Ein Hungergefühl fordert den Menschen auf, etwas zu essen und somit Energie zu sich zu nehmen. Bei Menschen, die dieses Bedürfnis über längere Zeit nicht stillen können, entstehen Auswirkungen, die ihren psychischen und physischen Zustand beeinflussen.
Wir essen, um uns zu ernähren. Nehmen wir keine Nahrung auf (aus diversen, bereits oben genannten Gründen), fehlen wichtige Nährstoffe, die dafür sorgen, dass der Körper gesund und leistungsfähig ist.
Vitaminmangel, vor allem Vitamin- A- Mangel, verhindert das Zellwachstum. Die Augen können sich nicht gut entwickeln, das Immunsystem wird nicht ausreichend gestärkt und nicht genügend Blutkörperchen gebildet. Knochen können nicht entsprechend wachsen und das Nervensystem sich nicht altersbedingt entwickeln.
Vor allem Kinder sind von dieser Fehlentwicklung besonders betroffen. Bereits durch die mangelnde Versorgung der Mütter mit Nährstoffen während der Schwangerschaft und in der Stillzeit, wirken sich dies dramatisch auf die Entwicklung der Kinder aus. Eisenmangel verursacht Anämie. Es wird nicht genügend Sauerstoff in die Zellen transportiert und führt bei der Geburt zu einer erhöhten Mütter- und Kindersterblichkeit. Die aus dem Mangelzustand resultierenden Defizite erfordern zusätzliche Investitionen in den medizinischen Bereich. Das Geld, das für unterernährte Mütter und Kinder ausgegeben werden muss, ist fünf Mal so hoch, wie der Globale Fund bis jetzt für den Kampf gegen AIDS, Tuberkulose und Malaria ausgegeben hat.
Durch die kulturellen und sozialen Gegebenheiten haben Frauen und Kinder keine gleichberechtigte Stellung in der Gesellschaft und stehen in der gesellschaftlichen Hierarchie meist weit unten. Dadurch, dass sie nicht selbst entscheiden und über ihr Leben bestimmen können, sind sie stärker von Hunger und Armut betroffen.
Hungersnöte haben nicht nur individuelle Auswirkungen auf die Menschen selbst, chronischer Hunger wirkt sich auch auf die Wirtschaft eines Landes oder gar auf einen ganzen Kontinent aus.
Menschen, die zu schwach sind oder zu krank um wirtschaftlich leistungsfähig zu sein, verlieren ihre aktive Rolle und Teilhabe für und an der Gesellschaft. Für eine positive wirtschaftliche Entwicklung eines Landes, ein hohes Bruttoinlandsprodukt und internationale Wettbewerbsfähigkeit sind neben einer stabilen Regierungsführung, einer geringen Korruptionsrate und politischer Stabilität, natürlich auch eine leistungsfähige und qualifizierte Bevölkerung wichtig und für nachhaltige Entwicklungen notwendig.
Da Menschen aufgrund chronischen Hungers nicht gewinnbringende schöpferische Leistungen für die Wirtschaft erbringen können, verliert ein Land dadurch an Arbeitskraft und Produktivität. Pro Jahr sind es in etwa 220 Millionen Jahre an Leistung, die Entwicklungsländer durch vorzeitigen Tod oder verminderte Arbeitsfähigkeit verlieren. Laut Schätzungen belaufen sich die Kosten auf etwa fünf bis zehn Prozent des BIP.
Gesundheitliche Defizite und ein niedriges Bildungsniveau wirken sich auf das Einkommen der Menschen und die Wirtschaft eines Landes aus.
Umgekehrt ist es so, dass ein gesunder Mensch mehr Potential entwickeln kann und damit für ihn vielseitigere Möglichkeiten zur Verfügung stehen sich zu bilden, einen Beruf zu erlernen und auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Leistungsfähige Arbeitskräfte wirken sich positiv auf die wirtschaftliche Produktivität aus, was wiederum zu mehr Arbeitsplätzen führt. Ein steigender Konsum und Wohlstand für Arbeitnehmer, Arbeitgeber und den Staat verbessern sowohl die persönliche als auch die wirtschaftliche Lage eines gesamten Landes.
All dies sind Elemente einer langen Kette, die in einem Zusammenhang zueinander stehen und über Entwicklung oder Unterentwicklung, Reichtum oder Armut, Wohl oder Leid entscheiden.
